LG Frankenthal Az. 6 O 60/09, Beschluss vom 06.03.2009

Über die Aussagekraft des Hashwertes für die Identifikation einer Datei in einer Tauschbörse.

Das LG Frankenthal hatte über einen Auskunftsanspruch wegen einer Urheberrechtsverletzung zu entscheiden, ob das hierfür erforderliche gewerbliche Handeln vorgelegen habe. In diesem Zusammenhang hatte das Gericht über die Aussagekraft des Hashwertes einer Datei ausgeführt, dass der Hash-Wert die Frage beantwortet, ob zwei zu vergleichende Dateien höchstwahrscheinlich gleich oder mit Sicherheit verschieden sind, wobei das Risiko von als „Kollisionen“ bezeichnete Fehlidentifikationen zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, durch den Einbau bestimmter mathematischer Mechanismen aber minimiert werden kann.
Die Frage, ob der verwendete Algorithmus in dem Verfahren, im Hinblick auf derartige Kollisionen besonders fehleranfällig sei, konnte dahinstehen, da der Antragsteller nicht darlegen konnte welchen genauen Hash-Wert das von ihm vertretene urheberrechtlich geschützte Werk gehabt hatte. Das Gericht stellte es deshalb in Frage, ob dem als genetischen Fingerabdruck der Datei bezeichnete Hashwert, überhaupt eine Aussagekraft für Verfahren der vorliegenden Art zukommen könne. Da zudem bereits geringfügigste Änderungen an einer Datei, etwa durch Hinzufügung eines Satzzeichens bei einer viele Millionen Zeichen enthaltenden Programmdatei, genügten, um einen völlig anderen Hashwert zu erhalten, sei dessen Aussagekraft im vorliegenden Verfahren äußerst fraglich.

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