Seo-Vertrag gleich Werkvertrag?

Seit einiger Zeit kursiert das Gerücht im Netz, dass ein Seo-Vertrag per se als Werkvertrag zu qualifizieren sei.
Dies würde bedeuten, dass grundsätzlich ein Erfolg geschuldet sei, da der Werkvertrag als Vertragsgegenstand einen durch Dienstleistung herbeizuführenden Erfolg beinhaltet, § 631 Abs. 2 BGB.

Hintergrund dieser Annahme ist ein Urteil des Landgerichts Amberg Az. 14 O 417/12 vom 22.08.2013.
Gegenstand der Klage war u.a. ein Anspruch auf Zahlung einer Vergütung für das Setzen einer bestimmten Anzahl von Backlinks (228) in einem bestimmter Zeitraum.
Die Richter mussten demnach, was eine übliche juristische Vorgehensweise ist, zunächst eine Anspruchsgrundlage suchen und hierfür den Vertragstypus bestimmen, Kaufvertrag, Werkvertrag. Dienstvertrag.
Da vorliegend ein konkreter Erfolg, das Setzen der vereinbarten Anzahl von Backlinks, Vertragsgegenstand war, konnte der geschlossene Vertrag eindeutig als Werkvertrag qualifiziert werden.
Daraus lässt sich jedoch nicht der Schluss ziehen, dass nun jeder Seo-Vertrag per se als Werkvertrag als qualifizieren ist. Hierzu ist anzumerken, dass im deutschen Zivilrecht der Grundsatz der Vertragsfreiheit gilt, was bedeutet, dass die Parteien grundsätzlich frei den Vertragsgegenstand bestimmen können (solange nicht gegen ein gesetzliches Verbot oder die guten Sitten verstößt, dann wäre der Vertrag automatisch nichtig.)

Oft sind sich die Vertragsparteien gar nicht bewusst, was sie für eine Vertragsart überhaupt gewählt haben. Dies ist im Alltag auch gar nicht so tragisch. Bedeutung bekommt diese Frage jedoch immer dann, wenn es Ärger gibt und der Gang zum Gericht bevorsteht. In diesem Fall müssen die Juristen auslegen und sich fragen, was denn die Parteien überhaupt vereinbaren wollten, vgl. § 157 BGB .

Vorliegend sollte beachtet werden, dass was verabredet wurde, auch geschuldet wird. Werden nun bestimmte Erfolge wie eine bestimmte Anzahl von Links oder Topplatzierungen Vertragsgegenstand, so kann eine Vergütung nur bei Erreichen dieser Ziele erfolgen.

Jedoch bestehen SEO-Leistungen auch aus vielen anderen Vertragselementen, wie z.B. Beratungsdienstleistungen, Analyse, Webseitenoptimierung etc.

Neben den typischen, gesetzlich normierten Vertragstypen (wie auch Miete, Pacht, Leihe) gibt es gemischte Verträge und Verträge eigener Art (sui generis) z.B. Leasing.
Ein Seo-Vertrag kann folglich verschiedene vertragliche Elemente beeinhalten. So wäre auf die Beratungsleistung und Analyse Dienstvertragsrecht anwendbar und auf das Erreichen bestimmter Platzierungen Werkvertragsrecht.

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