Wie wurden die IP-Adressen in Sachen Redtube ermittelt?

Ein neuer Artikel auf Heise.de zu den neusten Streaming-Abmahnungen der Kanzlei UC befasst sich mit der IP-Ermittlung durch die Rechteinhaberin The Archive. Dabei wird schlüssig dargelegt, dass diese bei dem von ihr behaupteten Urheberrechtsverstoß kräftig nachgeholfen haben könnte.

Demnach verdichten sich die Verdachtsmomente vieler Betroffener, dass diese zum Zeitpunkt des angeblichen Streamings unbemerkt von redtube auf die Seite trafficholder.com, und von dort auf 49655.retdube.net umgeleitet worden seien. Der Kreis wurde dann wiederum durch eine Weiterleitung auf redtube.com geschlossen (dergleichen bei movfile.net).

Die Seite retdube.net wurde anscheinend am 22.07.2013 anonym registriert, unmittelbar vor den vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen. Die URL 49655.retdube.net beinhaltet die mit der ID des überwachten Streams identische Ziffer „49655“. Über die Seite retdube.net könnten dann die IP-Adressen der ungewollt umgeleiteten Besucher geloggt worden sein. Dies würde auch erklären, warum bisher noch keine detaillierten Informationen zur IP-Ermittlung vorliegen. Rein technisch gesehen hätte der Verantwortliche dann nämlich durch die aktive Umleitung in den Geschehensablauf eingegriffen. Schon eine Tätereigenschaft der Abgemahnten könnte somit in Zweifel gezogen werden.

Schließlich wäre eine derartige IP-Ermittlung auch keine beweissichere Dokumentation, da nach der Umleitung auf retdube.net (Zeitpunkt des Loggings) nicht notwendigerweise eine Weiterleitung auf den entsprechenden Stream erfolgt sein müsste. Der Prozess könnte zwischenzeitlich, ganz einfach etwa durch Schließen des Browsers, beendet worden sein. Jedenfalls ergibt sich aus dem Besuch von retdube.net nicht zwingenderweise der Umkehrschluss, dass auch der entsprechende Stream tatsächlich angesehen (bzw. gebuffert/im cache gespeichert) wurde.

Nicht zuletzt ergeben sich aber auch Zweifel an dieser Methode wegen des sprunghaften Anstiegs der Besucherzahlen bei den überwachten Streams unmittelbar nach Anmeldung von retdube.net. Dabei sei der Anstieg bei zwei der Streams aber nicht etwa um einen „nur“ ähnlichen Wert gestiegen, sondern um fast identische 7.000. So ist nach der Registrierung von retdube.net bspw. der abgemahnte Stream „Dream Trip“ um das 15-fache häufiger angesehen worden als unmittelbar vorher.

Sollten sich diese Hinweise bekräftigen und schließlich auch beweisen lassen, dann käme auch der spezielle Straftatbestand des Computerbetrugs nach § 263a StGB in Betracht, da der Rechteinhaber bzw. die Abmahnanwälte in den Datenverarbeitungsvorgang unbefugterweise eingegriffen haben könnten. Wie bereits berichtet wurde, hatte das Landgericht Köln aufgrund zahlreicher Auskunftsanträgen von Rechtsanwalt Daniel Sebastian die Telekom verpflichtet tausende Nutzerdaten an die Kanzlei Urmann und Collegen herauszugeben, die daraufhin massenhaft Abmahnschreiben versendet hatte. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft sowohl gegen Rechtsanwalt Daniel Sebastian, als auch gegen einen Mitarbeiter der Firma itGuards Inc., der eidesstattlich versichert hatte, dass die IP-Adressen fehlerfrei ermittelt wurden.

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